mandala_1 Auszüge aus den göttlichen Reden / Juli 2022

Auszug aus der göttlichen Ansprache in Singapur

01. februar 2020

 

Unabhängig davon, ob man seinen Kindern ein Erbe vererbt oder nicht, sollte man ihnen Hingabe entgegenbringen. Das Erbe kann lange reichen oder auch nicht, aber die Hingabe wird ihr ganzes Leben lang bestehen bleiben. Damit muss man früh beginnen. Vorhin haben wir über die Werteerziehung gesprochen und darüber, dass sie nicht erst in der Grundschule beginnen sollte, sondern schon im Mutterleib. Die richtigen Werte sollten schon vermittelt werden, wenn die Mutter das Kind in ihrem Bauch trägt.

Im Mutterleib hörte Ashtavakra von seinem Vater die Lehren der Veden und Upanishaden. Schließlich wurde er zu einem noch größeren jnani (weiser Mensch) als sein Vater.

Später wurde er der Lehrer von Janaka Maharaja, der ihn als seinen Lehrmeister anerkannte. Es kam dazu, dass Janaka Maharaja eines Tages eine Konferenz für alle möglichen Menschen organisierte. Ashtavakra ging dorthin und debattierte über die Weisheit der vorgetragenen Lehren. Die Leute lachten ihn aus und fragten, wie er ein jnani sein könne. Er sagte zu ihnen: „Ich dachte, ich sei zu einer Versammlung von Gelehrten gekommen. Ich wusste nicht, dass ich zu einem Treffen von Schustern gekommen bin, die nur auf die Haut schauen und nicht auf die Weisheit im Inneren.“ Diese Botschaft drang in Janakas Herz ein und er wurde Ashtavakras Schüler.

Ashtavakra war derjenige, der Janaka die Bhagawad Gita lehrte. Daher beginnt eine solche Erziehung bereits im Mutterleib.

Eine Mutter erzählte Mir von ihrem kleinen Kind: „Wenn mein Kind in die Schule kommt, wird es so eine Erleichterung sein. Für sechs oder sieben Stunden bin ich dann frei.“ Wenn er von der Schule zurückkommt, hat sie Herzklopfen. Er und seine Schwester haben oft Ärger, so dass die Familie sich Sorgen macht.

Von den beiden Töchtern ist die ältere eine Unruhestifterin, aber die jüngere ist brav. Die jüngere ist sehr gerissen, eine Geschäftsfrau. Sie bekommt, was sie will. Die ältere ist sehr anspruchslos. In der Schule verschenkt sie alles, was sie hat Hefte, Bleistifte. Was auch immer die Leute verlangen, sie gibt es ihnen. Die Jüngere lässt nicht zu, dass jemand ihre Sachen anfasst.

Ihr seht, jeder wird mit seinen poorvajanma samskaras (latente Prägungen aus früheren Geburten) geboren. Aber all das kann sich mit der Zeit ändern. Mit der richtigen Gesellschaft kann alles verändert werden. Wenn man in der richtigen Familie, bei den richtigen Eltern, in der richtigen Lebenssituation geboren wird, kann das alles verändern.

Es muss nicht sein, dass man, weil man mit früheren Karmas geboren wird, in diesem Karma leben muss. Karma kann sich durch gute Begegnungen und gute Gesellschaft verändern.

Das ist sehr wichtig, besonders in einer Stadt, bzw. einem Land wie diesem, wo es so viele Ablenkungen gibt. Bringt euren Kindern bei, wie sie in Balance kommen können – damit sie sich weder auf dieser Seite zu sehr ablenken lassen noch auf jener Seite in die Extreme geraten. Der Mittelweg, das Gleichgewicht, ist am wichtigsten. Ich sage nicht, dass man alles aufgeben soll. Auch Gleichgewicht ist Spiritualität.

Janaka Maharaja hatte seine Pflicht gegenüber seinen Untertanen, seiner Familie und seinem Königreich, aber letztendlich war er sehr losgelöst. Eines Tages sagte er zu seinem Lehrer: „Ich will dieses Königreich nicht, ich will kein König sein. Es zieht mich nicht mehr an. Ich fühle mich hier fehl am Platz.“

Der Lehrer machte ihm einen Vorwurf: „Du brauchst das Königreich nicht, aber dein Königreich braucht dich. Deshalb bleibe König.“ Ein solcher Mensch wird ein jnani. Er blieb König, nicht um des Amtes willen, sondern um des Reiches willen. Um des Volkes willen arbeitest du weiter. Erfülle deine Aufgaben und Pflichten, aber sei am Ende des Tages völlig losgelöst.

 Das ist das Schöne an der Spiritualität: Sie lehrt uns nicht die Extreme, sondern das Gleichgewicht. Auch Buddha nannte den mittleren Weg den Richtigen. Lebe in der Welt, aber lass die Welt nicht in dir leben. Lass die Stadt nicht in dir leben. Das ist Spiritualität.

Ramakrishna Paramahamsa sagte, wenn man eine Jackfrucht aufschneidet, bleibt der Saft an den Fingern kleben. Wenn du jedoch zuerst Öl auf deine Hände aufträgst und dann die Jackfrucht aufschneidest, kannst du sie essen und genießen, aber du wirst nicht durch den klebrigen Saft beeinträchtigt werden.

In gleicher Weise ist das Öl der Spiritualität Losgelöstheit. Ihr müsst es auftragen und dann in die Welt gehen. Wenn du die Welt ohne Spiritualität betrittst, wirst du stecken bleiben. Wenn du Spiritualität anwendest und dann eintrittst, kannst du die Welt genießen – und wenn die Welt nicht angenehm ist, hast du die Wahl, sie loszulassen, wenn du willst. Dieses Gleichgewicht ist es, was die Spiritualität lehrt: Lebe in der Welt, tue, was getan werden muss, bilde dich weiter, führe dein Geschäft, verdiene deinen Lebensunterhalt, gründe eine Familie – aber sei losgelöst. Das ist die Schönheit der Spiritualität.

Alle großen Könige, sogar Bharata, der die gesamte Bharatavarsha regierte, wurden am Ende ihrer Herrschaft Sannyasis. Alle großen Könige haben dies getan. Welchen spirituellen Weg sie auch immer einschlugen, am Ende des Tages führten alle Wege zur Losgelöstheit. Wenn du deine Pflicht gegenüber der Welt erfüllt hast, dann ist deine Pflicht nur noch gegenüber Gott. Das wird nicht eines schönen Tages einfach geschehen. Glaubt nicht, dass ihr eines Tages aufwacht und plötzlich Losgelöstheit erreicht habt. Sie muss schrittweise erarbeitet werden. So wie du dich verstrickst, so musst du dich auch wieder befreien. Das ist der Prozess.

Der erste Teil des Lebens, Brahmacharya Ashrama bis Gruhastha Ashrama, dient dazu, dich in die Welt zu bringen. Die zweite Hälfte des Lebens, Vanaprastha Ashrama und Sannyasa Ashrama, dient dazu, dich aus der Welt herauszubringen.

Geh in die Welt und erfülle deine Pflicht, aber verliere nicht den Weg, wie Abhimanyu, der in die Chakravyuha (eine militärische Formation) hineinging, aber nicht wusste, wie er herauskommen sollte. Er wurde gefangen und getötet. Wir alle wissen, wie wir in dieses Chakravyuha der Welt gelangen können.

Wir bilden uns und gehen in den Gruhastha Ashrama. Wir kennen Brahmacharya und Gruhastha und wollen ihnen bis zu unserem letzten Atemzug folgen.
Wir wollen den Vanaprastha– und Sannyasa-Ashramas nicht folgen, um aus dem Chakravyuha herauszukommen. Und genau da bleiben wir hängen.

Die Spiritualität lehrt uns, wie wir in die Welt hineingehen können und was noch wichtiger ist, wie wir aus ihr wieder hinausfinden, damit wir nicht für immer in ihr stecken bleiben.

Die meisten Menschen in der Welt folgen nur der Hälfte der Philosophie, die bequem und attraktiv ist. An der anderen Hälfte sind sie nicht interessiert. Sie argumentieren: „Warum sollen wir uns auf den Pfad der Spiritualität begeben? Dafür gibt es doch den Ruhestand. Warum sollen wir so früh damit anfangen? „

Deshalb sage ich immer: „Harati nimeshat kalah sarvam“ die Zeit kann all dies in einer Minute zunichtemachen. Wir wissen nie, welcher Moment der letzte ist.

Das Bhagavatam erzählt die Geschichte von König Parikshit. Sein Lehrer, der Weise Suka, sagte Parikshit, dass er noch sieben Tage zu leben habe. Ihr und ich wissen nicht, wie viele Tage wir noch zu leben haben. Wir sollten also besser vorbereitet sein als Parikshit!

Jeden Augenblick, den wir in dieser Welt leben, müssen wir in völliger Losgelöstheit leben. So sehr, dass wir, wenn es soweit ist, diese Welt zu verlassen, in der Lage sein sollten, ohne Angst, ohne Sorgen und ohne Schwierigkeiten zu gehen.

Ob du Singapurer, Chinese, Amerikaner oder Australier bist – es spielt keine Rolle, in welchem Land du lebst. Dies ist die grundlegende Philosophie: Komm in die Welt, tu deine Pflicht, leiste deinen Beitrag und lerne. Lerne auch, wie du mit Würde aus der Welt gehen kannst – nicht mit Gewissensbissen, Unzufriedenheit oder schlechten Empfindungen, sondern mit Leichtigkeit.

Jeder kann diesem Pfad folgen.

 Göttliche Ansprache, 01.Februar 2020 Singapur