Saiprakashana Buchclub

Wenn Du mehr lesen willst, werde Mitglied im Buchclub und erhalte aktuelle Informationen über Neuerscheinungen

    

mandala_1  Lokal   mandala_1

Youth inspiration April 2023

von | Apr 24, 2023 | Lokal

Kreis der Liebe

Eine Zusammenfassung des Jugendmeetings in Assisi im März 2023

 

Im März besuchte Swami seit langer Zeit wieder Europa. Seine Reise führte Ihn durch Rom und Assisi, wobei er von einigen seiner Schüler begleitet wurde. Sowohl in Assisi als auch in Rom sprach Swami ausführlich über bedingungslose Liebe und dass es von größter Wichtigkeit ist, dass jeder von uns hart daran arbeiten muss, diese Form der Liebe in sich selbst freizulegen. Es würde den Rahmen sprengen das gesamte Meeting in diesem Artikel zu übersetzen. Deshalb habe ich mich entschlossen, eine Rede von mir, sowie die Kernpunkte von Swamis Rede zusammenzufassen.

Vor 5 Jahren hätte man mich und mein Leben als einen großen Erfolg bezeichnen können. Ich schloss mein Jurastudium mit guten Noten ab; ich studierte und lebte im Ausland und erlebte alles was man sich so wünschen kann. Ich hatte einen gut bezahlten Job in London. Kurzum ich lebte das Leben eines jungen, aufstrebenden Geschäftsmannes.

Aber, in mir fühlte ich, vor allem sobald es still wurde, eine enorme Leere. Es fühlte sich so an als ob ich, trotz all meiner Erfolge nichts, beziehungsweise nicht viel erreicht hatte. Ich erinnere mich, dass ich eines Tages dieses Buch las. Es hieß:  “Die Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen”.
Es ist ein Buch, das von einer australischen Paleativschwester geschrieben wurde, also einer Krankenschwester, die sich um sterbende Patienten kümmert. Und ich realisierte, dass ich, wenn ich so weiter mache wie bisher, höchst wahrscheinlich am Ende vieles bereuen würde. Es war ein sehr starkes und klares Gefühl. Es war nicht ein Gefühl, dass ich etwas per se etwas falsch gemacht hatte, sondern es war völlig klar, dass etwas ganz und gar nicht stimmte.

2018 wurde ich dann zu Swamis Satsang in London eingeladen und das veränderte mich komplett – es gab mir eine vollkommen neue Richtung. Ich nahm an diesem Satsang ohne jegliche Erwartung oder Hoffnung teil. Ich wurde eingeladen also ging ich hin – und als ich einfach so dasaß, fühlte ich diesen gigantischen Strom von Liebe durch mich fließen. Dieser Strom war fast zu viel für mich. Es fühlte sich an wie die Liebe von 100 Müttern, 100 Vätern, 100 Geliebten – dieser Strom war einfach überwältigend. Mir wurde klar, dass dieses Gefühl das war, was mir fehlte. Dieses Erlebnis war der Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Ich begann mich mit den Lehren Swamis zu beschäftigen, Jugendmeetings zu besuchen und mit Menschen in Kontakt zu treten, die Teil der Sai Gruppe waren.

Das Erste, das mir klar wurde war, dass ich neben meinen beruflichen Verantwortungen auch verschiedensten privaten Pflichten nachkommen sollte. Wobei das Wort „Pflichten“ hier vielleicht nicht ganz passend ist – Verantwortungen und Aufgaben würde es besser treffen. Mir wurde auch klar, dass es von größter Bedeutung war, mich auch um meine Familie und mein soziales Umfeld zu kümmern und zu sorgen. Wichtig ist mir, festzuhalten, dass dies kein rationaler Prozess war, sondern ein ganz tiefes Gefühl des Begreifens, das mich vorantrieb, diese Dinge in Angriff zu nehmen. Binnen zwei Monaten verließ ich London, um mich um meine Familie und andere wichtige Dinge zu kümmern.

Das Youth meet auf Youtube

Ein Jahr später kam Corona. Obwohl diese Episode für uns alle eine schwierige Zeit war, empfand ich es als enorm fruchtbringend und nützlich. Es war fast so, als ob man, wie viele Weise in der Vergangenheit, für eine Zeit im Wald leben konnte, komplett vom normalen Leben zurückgezogen, um sich selbst besser kennenzulernen.

Ich begann, Swamis Master the Mind Program durchzuarbeiten, sowie den Kursen über die Upanishaden und anderen Satsangs zu folgen. Der Wert dieser Lehren ist unermesslich, sie sind enorm wertvoll. Während also die Welt im Lock-Down stillstand, war es für mich eine fantastische Zeit – eine Zeit des „In-mich Gehens“ und der Erforschung meines Selbst.

Auf dieser Reise entdeckte ich Teile von mir, von denen ich nicht einmal wusste, dass es sie gab.

Nach den Lock-Downs hatte ich das brennende Bedürfnis, meinem Leben mehr „Vollheit“ zu geben in dem ich mich mehr für die Allgemeinheit nützlich machte, aber auf eine liebevolle, Art und Weise; Auf eine Art und Weise des Teilens und Teilhabens am Wohlergehen Anderer. Ich begann, mit dem Uvachateam zusammenzuarbeiten und Swamis Texte zu übersetzen. Ich begann, Schülern, die aus dem regulären Schulsystem herausgefallen waren, zu helfen, ihren Abschluss zu machen. Ursprünglich dachte ich, dass man diese Dinge tut, weil man von sich selbst und auch von anderen als Jemand wahrgenommen werden will, der Gutes tut. Aber das hier war komplett anders. Tatsächlich wurde mir bewusst, dass nicht nur diejenigen profitierten, denen ich half, sondern, dass auch ich selbst enorm davon profitierte. Ich glaube aber, dass das Wort „profitieren“ an dieser Stelle etwas flach ist und die Sache nicht auf den Punkt bringt. Es war nämlich viel mehr. Es war ein Erfüllen, ein Erfüllen dieser Leere, die ich in mir verspürte und die ich anfangs erwähnte. Bis zu diesem Punkt war mir nicht klar was Swami meinte, wenn er sagt, dass Liebe wie ein Feuer ist. Wenn man es weitergibt wird es nicht weniger, sondern pflanzt sich einfach fort und nimmt stets zu. Es ist also nichts, das als Teil einer transaktionalen Beziehung gegeben wird, sondern es wird stets mehr.

Das Wichtigste, dass ich in den letzten Jahre lernen konnte war, dass wir, um uns komplett und ganzheitlich fühlen zu können, in eine Position kommen müssen in der wir von größtmöglichem Nutzen für unser Umfeld sein können, aber auf liebende Art und Weise.

Bevor ich zum Ende komme, möchte ich noch eine kleine Anekdote mit euch teilen – etwas, dass mir beim Vorbereiten zu dieser Rede in den Sinn gekommen ist und dass mich selbst enorm verblüfft hat. Es zeigt den scharfen Kontrast in meinem Denken zwischen früher und heute:

Als vor einigen Jahren das schwere Erdbeben in Fukushima geschah, war mein erster Gedanke – und ich schäme mich heute dafür: „Wie kann ich Profit aus dieser Sache schlagen?“ Ich dachte: „Gute Gelegenheit! Ich werde einige Versicherer shorten und ordentlich an der Börse abkassieren.“. Das Tragische ist, dass mir damals nicht einmal klar war, weshalb eine derartige Einstellung falsch sein könnte. Jedoch aus heutiger Sicht, ist meines Erachtens ein solches Denken die Ursache für den Zustand, in dem sich unsere Welt heute befindet. Das Schlimmste an einer solchen Einstellung ist aber, dass wir innerlich leer zurückbleiben. Mir wurde klar, dass, hätte ich weiter mit dieser Einstellung gelebt, mein Leben am Ende nicht besonders viel bedeutet hätte und es wenig Unterschied gemacht hätte, ob ich auf dieser Welt gelebt hätte oder nicht.

Wenn ich diese Einstellung mit heute vergleiche und ich daran denke, dass ich einem Schüler für zwei Stunden eine scheinbar ganz einfache Sache, wie zum Beispiel den Zinseszins erkläre und dieser Schüler wirklich begreift, was die Folgen von Konsumkrediten sein können und wie man richtig mit Darlehen umgeht, dann kann das einen unglaublichen und realen Unterschied machen. Wenn jetzt dieser Schüler, im späteren Leben, nicht in einem Schuldenberg versinkt, wie viel glücklicher wird er und seine Familie ohne die Streitereien um Geld und die ganzen damit verbundenen Probleme sein? Die direkte Folge ist, dass die Kinder des Schülers ein viel besseres Leben haben werden. Diese zwei Stunden haben also sozusagen einen Domino-Effekt. Wenn ich nur an dieses einfache Beispiel denke, dann wird mir klar, dass diese Beschäftigung so erfüllend, so wertvoll ist.

Diese tiefe innere Veränderung hätte ich niemals alleine herbeiführen können. Ich muss hier noch anführen, dass all diese Veränderungen nicht geschahen, weil ich als ein guter Mensch gesehen werden wollte, sondern sie sind wirklich in meinem tiefsten Inneren passiert. Diese Verwandlung, die ich erleben durfte ist das, was für mich göttliche Gnade ist; Es ist das, womit mich Swami rettete.

Abschließend möchte ich mich bei Dir, Swami, für all dies bedanken. Ich möchte mich entschuldigen für all die Momente, in denen ich Deinen Rat ignoriert habe, in denen ich Dich oder andere enttäuscht oder verletzt habe.

Ich bitte Dich, lass dies nur den Anfang sein und ich bitte dich, mich auf meinem zukünftigen Weg zu unterstützen.”

In Swamis rede gab es einige Punkte, die für mich hervorstachen. Er begann mit einem Zitat aus der Mahabharata und sagte, dass wenn man nach einem Lebensmotto suchte, dies das perfekte Motto sei:

„Ich wünsche mir kein Königreich. Ich wünsche mir nicht das Himmelreich. Ich wünsche mir nicht einmal Erlösung und Erleuchtung. Ich wünsche mir nur, dass du, Höchster mir hilfst, die Tränen derer die leiden, fortzuwischen und sie von ihrem Leid zu erlösen.”.

Dieses Zitat wurde dann nochmals von einem Zitat von Vivekananda unterstrichen, der sagt, dass nur die wirklich leben, die für andere leben. Alle anderen sind mehr Tod als lebendig. Oder in den Worten des Heiligen Franziskus: “Wenn wir geben empfangen wir.”

Er erklärte dann, dass die Liebe, die wir in Seiner Gegenwart empfinden unsere eigene Liebe ist – sie ist Teil von uns. Das Einzige, das Er tut ist, diese Liebe wie ein Spiegel zu reflektieren. Allerdings reflektiert er diese nicht wie ein gewöhnlicher Spiegel, sondern wie ein Spiegel der alles vergrößert.

Später forderte er uns auf, darüber nachzudenken, dass nur dann die Schwierigkeiten kommen, wenn wir vergessen, dass wir göttlich sind. Nur wenn wir das vergessen, treffen wir all die falschen Entscheidungen, die wir dann schlussendlich bereuen.

Abschließend noch ein Punkt, der mich persönlich sehr berührt hat:

“Wenn dein Herz sagt, ‚geh und hilf anderen‘, zögere nicht. Setz dich nicht hin und kalkuliere. Das Herz spricht leise, es flüstert und schreit nicht wie der Geist. Es ist also leicht zu überhören. Nicht viele hören das Flüstern des Herzens, Darum schätzt euch glücklich, dass ihr die Stimme des Göttlichen vernommen habt und seid euch bewusst, dass es eure Pflicht ist, dies ohne Verzögerung umzusetzen.”

Am Ende lud Swami die Jugend zu einem 20-tägigen Kurs nach Indien ein. Allerdings machte er klar, dass seine Erwartung ist, dass wir dieses Wissen nicht für uns behalten, sondern mit anderen Jugendlichen in unseren Ländern teilen. Es ist die Aufgabe der Jugend, diesen “Kreis der Liebe”, wie er es nennt, auszudehnen und andere junge Menschen einzubinden. Ich danke Swami von ganzem Herzen für diese Gelegenheit; nicht nur ihm zuzuhören, sondern auch vor Ihm zu sprechen und kann es kaum erwarten, Ihn wiederzusehen.

Ein Erfahrungsbericht von Thomas S. 

    

Saiprakashana Buchclub

Wenn Du mehr lesen willst, werde Mitglied im Buchclub und erhalte aktuelle Informationen über Neuerscheinungen