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Youth Inspiration September 2023

von | Sep 19, 2023 | Lokal

Ein Monat, ein Fest

Muddenahalli 2023

 Im April, bei seinem Besuch in Assisi, lud Swami die Jugend zu “einem kleinen” Workshop nach Indien ein. Als ich, dieser Einladung folgend, am 28. Juni aus dem Flugzeug stieg, wusste ich noch nicht, dass mich, anstatt eines “kleinen Workshops”, ein ganzer Monat mit einem dichtem Programm erwartete: Leadership Conference, Education Conference, Sponsionsfeier, Gurupurnima, 20 Tage Gita Workshop, Swami’s Geburtstag und jede Menge „kleinerer“ Events, die so nebenbei eingestreut wurden.

Das erste, was mir auffiel, war die enorme Professionalität, mit der alles gemacht wurde. Sicherlich hat Swami immer hohe Ansprüche, aber dieses Mal hatte man das Gefühl, dass sowohl die Schüler als auch das Personal besonders bedacht waren, diesen Ansprüchen nicht nur zu genügen, sondern diese zu übertreffen.

Ich erinnere mich an eine Begebenheit, die für mich wegweisend war: Vor dem Veda Gurukulam ist ein Vorplatz. Als ich dort am Abend vor der Sponsion vorbeikam, war in der Mitte des Platzes ein hässliches Loch im Boden, welches von Bauarbeitern und Freiwilligen umringt war. Als ich um sieben Uhr morgens des nächsten Tages auf den Platz trat, stand da ein großer, voll zementierter und gefliester Springbrunnen mit Statue und Verzierungen, der munter vor sich hinplätscherte; vom hässlichen Loch, von Baustaub, Werkzeugen und Arbeitern keine Spur. Ebenso wurden die beiden Konferenzen über Bildung und Leadership den höchsten internationalen Standards gerecht. Zur Sponsion erwartete uns dann eine generell bekannte Überraschung: die Präsidentin Indiens besuchte uns und hielt die Hauptrede. Zu dieser Zeit hatte man den Eindruck, man sei in einem Palast und nicht in einem Ashram.

Das Highlight war jedoch der Bhagavadgita-Workshop. Er ging über 20 Tage, wobei für jeden Tag ein sechstündiges Programm geplant war. Morgens, von 9 bis 12 Uhr wurden von allen gemeinsam wichtige Slokas rezitiert und durch Zusammenschnitte von Swami’s Reden, die er 2022 über die Gita gehalten hatte, näher erklärt. Nach dem Mittagessen ging es dann weiter mit Gesprächen in Kleingruppen, bei denen wir das Gelernte untereinander besprechen konnten. Am Abend, nach einer erneuten Rezitation der Slokas und einer darauffolgenden Erläuterung von Narasimha Murthy, besprach Swami relevante Aspekte. Abschließend, und dies war einer der wertvollsten Momente eines jeden Tages, beantwortete Swami unsere Fragen, die im Rahmen des Nachmittagworkshops unbeantwortet blieben.

Es ist unmöglich, die Tiefe und Bedeutsamkeit dieser Abendstunden in Worte zu fassen. Mein guter Freund Evangelos umschrieb es so: „Ich dachte ich kannte die Gita, nachdem ich sie gelesen und Swami’s 2022 Ausführungen dazu gehört habe, aber jetzt habe ich den Eindruck, als ob das was ich  lerne, etwas komplett Neues ist.“. Es fühlte sich fast so an, als ob jeder einzelne, in sich selbst, die Reise Arjuna’s durchlebte.

Für Swami’s Schüler gab es „kleine“ Tests, um zu überprüfen, ob das Gelernte verinnerlicht wurde. Als wir Einblicke in diese „kleinen“ Tests erhielten wurde uns klar, dass keiner von uns bestehen würde. Zusätzlich wurde alle sechs Tage ein Gita Wissenswettbewerb veranstaltet. Bei diesem Wettbewerb traten sechs Gruppen von jeweils fünf Schülern gegeneinander an. Jede der sechs Gruppen kam von einem anderen Campus. Anfänglich waren die Aufgaben relativ einfach: das Erklären von Begriffen und Zuordnen von Slokas. Ab runde Zwei wurde es aber extrem schwierig: zum Beispiel bestand eine Aufgabe darin, dass ein Mitglied des Teams eine Sloka durch Mimik und Gestik nachstellen musste und die anderen mussten erraten um welche Sloka es sich handelt, sowie deren exakten  Inhalt in English und Sanskrit wiedergeben. Für den Zuschauer ist es äußerst beeindruckend, wenn plötzlich eine 14-Jährige Schülerin, deren Eltern weder lesen noch schreiben können, die tiefsten spirituellen Wahrheiten in perfektem Englisch zum Besten gibt.

Neben diesen Hauptaktivitäten gab es noch viele andere neue Dinge: Ein neues Krankenhaus wurde eröffnet: das Rajeshwar Hospital, eine Art von Krankenhaus, das ich noch nie gesehen habe. Das Gebäude alleine ist ein Kunstwerk, eine Vollendung von architektonischer Meisterleistung und hocheffizienter Funktionalität. Man könnte fast sagen, dass es kein Krankenhaus, sondern ein Gesundmach-Tempel ist. Zum Staunen fängt man bereits an, wenn man das Gebäude betritt. Über 20 medizinische Bereiche sind baulich so angelegt, dass man in kürzester Zeit von einem Ort zum anderen kommt. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Weiter geht es mit der Belüftung und Beleuchtung: Das Gebäude ist so gestaltet, dass für die Warteräume und Gänge eine natürliche Luftzirkulation sichergestellt ist. Mit über 200 Betten bietet das Krankenhaus stationäre Betreuung sowie mehr als 1500 ambulanten Patienten eine kostenlose Versorgung in den meisten Bereichen –von Chirurgie, über Zahnheilkunde, bis hin zu Gynäkologie. Hoch qualifizierte Spezialisten führen die komplexesten Operationen aus, wie z.B. Herzoperationen an ungeborenen Embryos – und all dies komplett kostenlos. Sogar die Apotheke im Krankenhaus bietet Medikamente kostenlos an.

Ein weiteres Highlight ist die Sai Sure Fabrik. Wie vielleicht bekannt ist, bietet Swami kostenloses Frühstück für mehr als 150.000 Schulkinder an. Um diese Versorgung auszudehnen wurde ein spezielles Ragi-Pulver entwickelt, eine Art natürlicher Brei mit Zimt, Kurkuma, etc., welcher alle Nährstoffe enthält, die ein Kind im Wachstum benötigt. In Zusammenarbeit mit der Regierung von Karnataka und Telangana, werden bis jetzt in dieser Fabrik über 300 Tonnen dieses Pulvers pro Monat hergestellt, welches über 5 Millionen Kindern täglich zugutekommt. Beim Besichtigen der Fabrik bekommt man den Eindruck, dass man nicht in einem Dorf in Indien ist, sondern in einer hoch modernen Fertigungsstätte eines westlichen Pharmaunternehmens. Die Prozesse sind hoch automatisiert und entsprechen internationalen Normen in Bezug auf Sicherheit und Reinheit. Auf meine Frage was der nächste Schritt sei, antwortete man mir: „Schauen Sie, das ist nur der Anfang. 300 Tonnen sind weit von unserer vollen Kapazität entfernt, wir können mehr als das fünffache produzieren.“

Letztes Jahr sagte Swami sinngemäß: „Ich habe noch nicht einmal den Startschuss gegeben, sondern zähle immer noch ‚auf die Plätze, Fertig… Das <Los> kommt noch.‘“

Von dem was ich gesehen habe bin ich voll und ganz überzeugt, dass dies erst der Anfang ist. Noch viel bedeutender ist, dass Swami dieses Jahr sinngemäß sagte: „Meine Schüler sind noch viel besser als ich. Sie werden noch viel weiter kommen.“ Mich erfüllt das mit Freude und ich glaube, dass dies ein Beispiel ist, das es für uns zu imitieren gilt. Auch wir sollten danach trachten, die beste Version aus uns selbst zu machen. Auf dem Heimflug dachte ich mir: „Wie viele Ressourcen haben wir und wie vielen Menschen sind wir tatsächlich zu Nutzen?“

Youth Inspiration von Thomas S. 

    

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