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Youth inspiration Dez. 2023

von | Dez 20, 2023 | Lokal

Bhagavad Gita – Teil III /1

 

Im letzten Artikel habe ich über die Bhagavad Gita und die Bedeutung der Hingabe an das Göttliche gesprochen. Krishna offenbart, dass Handeln unausweichlich ist und dass wahre Weisheit darin besteht, ohne Anhaftung an die Ergebnisse zu handeln.

Krishna sagt: „Selbst derjenige, der schläft, handelt und erzeugt Karma.“

Der einzige Weg, um von den Folgen jeglicher Handlung frei zu werden, besteht darin, diese ohne jegliches Anhaften an die Tat, den Akt des Tuns oder die Resultate auszuführen. Indem wir uns stattdessen auf das Göttliche konzentrieren, offenbart sich in uns ein Ort der kompletten Stille. Die wahrhaft weisen Menschen ziehen sich nicht in eine Höhle zurück, sondern arbeiten unaufhörlich daran, die Rechtschaffenheit in der Welt zu etablieren, während ihr Inneres in Stille und Hingabe an das Göttliche verweilt. Die nun folgenden Kapitel (sieben bis zwölf) handeln von genau dieser Hingabe an das Göttliche.

Bevor wir uns jedoch diesem Teil zuwenden, ist es wichtig, noch auf einige Aspekte näher einzugehen, die häufig zu Missverständnissen führen: Es wird häufig gesagt, dass, wenn alle Taten durch die drei Gunas (Eigenschaften) von Tamas, Rajas und Satva getrieben werden, wir dieser Bestimmung erlegen sind und somit unser Schicksal nicht beeinflussen können.

So mancher mag verleitet sein, untätig zu werden. Während dies bequem sein mag, entspricht es nicht dharmischem Verhalten. Dhritarashtra, der blinde König, zeigte genau dieses Verhalten. Als die Spannungen zwischen Kauravas und Pandavas zunahmen, blieb er mit dem Argument untätig, dass ja sowieso alles vorherbestimmt sei; und so wurde seine Untätigkeit, seine Verweigerung, seinen bösen Söhnen Einhalt zu gebieten, einer der Hauptursachen für den Krieg. Genau wie der blinde König, verwenden wir das Argument, dass alles vorherbestimmt sei, meist als einen Verweigerungsgrund, um etwas nicht tun zu müssen, das uns unangenehm ist. Geht es jedoch um die eigenen Interessen, wird man schnell aktiv.

Kurz gesagt: In dem Glauben zu leben, dass alles vorbestimmt sei, ist nur dann wahrhaftig, wenn diese Haltung auch wirklich in schwierigen Zeiten beibehalten wird und nicht, je nach Situation, ein- und ausgeschaltet wird.

Ein weiteres Missverständnis tritt häufig auf, wenn behauptet wird, dass die Gita Gewalt gutheißt. Obwohl Krishna sehr klar darin ist, dass Arjuna seine Pflicht als Krieger erfüllen muss, bedeutet das nicht, dass er Mord und Totschlag gutheißt. Wie in der Einführung beschrieben, waren zum Zeitpunkt der Schlacht alle diplomatischen Wege erschöpft. Die Pandavas waren sogar bereit, auf ihre Hälfte des Reichs zu verzichten, um den Frieden aufrecht zu erhalten. Die Schlacht war somit nicht darauf ausgerichtet, egoistische Interessen nach Reichtum zu erfüllen, sondern ihr Zweck war das Durchsetzen von rechtmäßigen Ansprüchen sowie das Zurückdrängen von negativen Einflüssen.

Zuletzt ist auch festzuhalten, dass das Mahabharata eine Geschichte über Könige und deren Reiche ist. Wäre sie beispielsweise eine Geschichte über Geschäftsleute, dann hätten die Lehren, die uns Krishna gibt, auch in einem geschäftlichen, ja in jedem anderen Kontext, Anwendung finden können.

Der zweite Teil der Gita beinhaltet äußerst interessante und wichtige Lehren über Leben und Tod, Illusion und Realität sowie das direkte Erleben des Göttlichen. In diesem Teil, dem Teil über die Hingabe an das Göttliche, geht es um die verschiedenen Wege, dem Göttlichen näher zu kommen. Entgegen vieler anderer Philosophien beschreibt Krishna das Göttliche nicht als etwas Externes, also einen alten Mann, der auf einer Wolke sitzt und mit Strenge richtet, sondern als unser innerstes Selbst. Genauer beschreibt er das Göttliche als die Fähigkeit in uns, sich des Selbsts bewusst zu sein.

Am allerwichtigsten ist es jedoch, dass uns die Hingabe an das Göttliche alle Ängste nimmt; vor allem die größte Angst – die Angst vor dem Tod. Durch Hingabe verliert der Tod seine Bedeutung als Ende oder vollkommene Zerstörung und wird einfach als Faktum, als Übergang wahrgenommen. Die einzige Furcht, die wir haben sollten, ist die Furcht, unsere Hingabe und den göttlichen Segen zu verlieren.

Am Anfang des neunten Kapitels sagt Krishna, dass er nun Arjuna das größte Geheimnis verraten wird. Er tut dies, da nach seinen Worten Arjuna ‚keine Gefühle der Eifersucht hegt noch versucht, ihm Fehler zu unterstellen‘. Oft erwarten wir, dass das Göttliche sich in einer ganz gewissen Art und Weise verhält, zu uns spricht oder uns bestimmte Lebenserfahrungen bringt. Arjuna aber sieht das ganz anders. Er nimmt das Göttliche sowie die Lehren von Krishna einfach an, ohne mit ihnen zu hadern.

In diesem Kapitel begegnet uns auch das erste große Paradoxon, welches auf den ersten Blick komplett widersprüchlich zu sein scheint, aber tatsächlich die größte Weisheit enthält. In Kapitel neun sagt Krishna: “Ich durchdringe alles in unmanifestierter Form; Alles existiert ausschließlich in mir; Jedoch existiere ich in nichts; Und nichts existiert in mir. Dies ist die Macht meiner Schöpfung (Maya), erfreue dich daran.”

Es ist von größter Bedeutung, über diese Worte nachzusinnen, denn man glaubt sie zu verstehen, jedoch bezieht sich das Verständnis nur auf eine gröbere Ebene.

Als Beispiel erwähnt Swami ein Erlebnis, das uns täglich widerfährt: Träume. Wenn wir unsere Träume erleben, dann erleben wir diese entweder aus der Ego-Perspektive oder aus der Sicht einer dritten Person. Was uns aber ebenso bewusst werden sollte, ist, dass der gesamte Traum in gewissem Maße in uns abläuft. Analog könnte man sagen, dass:

1. Wir als der Träumer den gesamten Traum durchdringen.
2. Der gesamte Traum in uns existiert. Das Geträumte existiert allein in unserem Geist.
3. Jedoch existieren wir nicht im Traum, denn unsere Existenz ist viel weiter.
4. Der Traum existiert nicht in uns. Figuren, Erlebnisse und Gedanken existieren nicht;
dies wird uns spätestens beim Aufwachen klar.

Das einzige, was existiert, ist der Träumer.

Es gibt noch viel mehr, das zu diesem Gleichnis gesagt werden müsste, jedoch würde dies den Rahmen dieses Artikels sprengen. Wir werden im nächsten Artikel noch weiter auf dieses scheinbare Paradoxon eingehen. In der Zwischenzeit ist es wichtig, über das Gelesene nachzudenken. Hierbei ist es auch für uns wichtig, dass wir, genau wie Arjuna, “anasuyam” sind, also nicht versuchen, Krishnas Worte umzudeuten oder mit ihnen zu hadern, sondern einfach uns damit abfinden, dass wir sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht verstehen.

Youth Inspiration von Thomas S. 

    

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